Die Theatertruppe Cie Etincelles aus den französischen Pyrenäen wurde 1995 gegründet. Sie spielt und schreibt Puppenstücke für Kinder. Anerkannt im Kultur –und Erziehungsbereich, tritt sie regelmäßig in Theatern, Kulturzentren, Festivals, Kindergärten, Krippen und Schulen Südfrankreichs auf.

Die Österreicherin Bettina Pflug ist eine der Mitbegründerinnen der Truppe. Sie hat sich seit 2010 auf Theater für die Allerkleinsten spezialisiert und seitdem zwei Stücke für sie entwickelt, die in Südfrankreich bereits mehrere hudertmal mit Erfolg aufgeführt wurden.

Seit Beginn 2015 gibt es diese Stücke auch für den deutschsprachigen Raum.


Bumm, macht das Spielzeug, wenn es runterfällt und das kleine Schweinchen freut sich.



Pilu-Pilu kann schon ganz schnell rennen, vor allem, wenn Mama stehen bleiben will, aber wenn Mama es eilig hat ......



Sind so kleine Hände, winz'ge Finger dran,

darf man niemals schlagen,

die zerbrechen dann.

                                                                                      Bettina Wegner


Kunst für kleinste Menschen zu schaffen, Formen des Puppenspiels zu entwickeln, die deren Aufmerksamkeit und Interesse wecken, ist für mich eine Herausforderung.

 Sehr früh (ab dem 1. Monat) beobachtet das kleine Kind die menschlichen Beziehungen um es herum, analysiert und begreift sie. Das ist lebensnotwendig für das Baby. Es lernt das soziale Leben so wie man es ihm zeigt und vorlebt. In vielen Fällen ist es der unbestreitbare Held einer glücklichen Familie, in manchen Fällen aber ist es Zeuge schwieriger Lebenslagen, Opfer von Gewalt, Verwahrlosung oder Verlassenheit, mehr Objekt als Subjekt.

 Ich finde es darum selbstverständlich schon dem Baby seine Rechte nahezubringen, ihm zu zeigen, dass ihm Liebe, Aufmerksamkeit und Pflege zusteht, dass niemand ihm Schmerz zufügen darf, ihm so die Legitimität seiner Gefühle zu bestätigen und „es“ als Person anzuerkennen um ihm zu ermöglichen Resilienz zu entwickeln.

Ein Mittel dies zu tun ist das Spiel, das Theaterspiel, das Puppenspiel.

Warum soll das Baby zu klein dafür sein, warum wird Theater erst in den Kindergärten und nicht schon in den Kinderkrippen gezeigt?

Neueste Forschungen bestätigen uns die unglaublichen Kapazitäten von Babys, die schon sehr viel jünger, als man früher glaubte, Spiel und Realität unterscheiden.

 Selbstverständlich spricht man mit Kleinstkindern anders als mit größeren und ein Teil der Kunst besteht sicherlich darin den angemessenen Ton zu finden. Aber Babys werden sicherlich an unendlich vielen Orten und in unendlich vielen Lebenslagen weit mehr überfordert als in einem Babytheaterstück, ganz zu schweigen von Kleinstkindern, die in Kriegsgebieten aufwachsen.

 Werbefachleute haben das Kleinkind schon seit langem als Adressanten entdeckt. Ab dem frühesten Alter werden Kinder Zielpersonen von Werbekampagnen, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen, wenn sie dieses oder jenes Produkt konsumieren. Es ist in unserer Gesellschaft allgemein anerkannt, das Kind als Konsumenten zu betrachten und dies wird kaum hinterfragt. Dabei ist es offensichtlich, dass sich ein Kind unabhängig von dem Bild entwickeln sollte, das die Werbung ihm aufzwingt. Schweden und Quebec (frz. Kanada) sind die einzigen Länder die Konsequenzen aus dieser Gefahr gezogen haben und Werbung verbieten, die sich an Kinder unter 12 bzw. 13 Jahre richtet. Es sind auch eben diese Länder, in denen sich Babytheater zuerst entwickelte.

Eine zukunftsbewusste Gesellschaft sollte ihre Kinder nicht zu Konsumenten, sondern zu selbstbestimmten, verantwortungsbewussten Bürgern erziehen.

 Angesichts dieser Tendenzen ist Babytheater zu schaffen mehr als ein Broterwerb, es ist eine Leidenschaft und ein bewusster Akt mit klaren gesellschaftlichen Forderungen.

Dieses Theater wendet sich an die Träger der Gesellschaft von morgen, auch wenn sie heute noch in den Windeln liegen .

 Bettina Pflug, Januar 2015